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© Rechtsanwalt Martin Kieffer
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Europäische Alkoholstrategie

Chancen und Risiken

Von RA Martin Kieffer

Nach dem Scheitern des Nationalen Aktionsprogramms Alkoholprävention atmete die Branche erst einmal auf. Doch die Diskussion wird unter verschärften Bedingungen weiter gehen. Auf Initiative der Europäischen Kommission gründeten im Juni 2007 mehr als 40 europäische Repräsentanten aus Wirtschaft und Gesellschaft das „Forum Alkohol und Gesundheit“. Branchenverbände, NGOs und einzelne Großunternehmen verpflichteten sich auf Basis festgelegter Vorgaben der Europäischen Kommission zu Selbstregulierungs- und Präventionsmaßnahmen. Nun liegt es an der Industrie zu beweisen, ob die Selbstregulierung wirkt.

Chance oder Risiko? Ganz sicher Risiko, wenn die Industrie für nicht in ihrer Sphäre liegendes Fehlverhalten verantwortlich gemacht wird. Und genau an dieser Frage scheiden sich die Geister. Hat etwa Werbung Einfluss auf den Alkoholmissbrauch? Die Beantwortung hängt davon ab, ob der Europäischen Alkoholstrategie weitere Schritte folgen werden.

Keine Frage, die Hersteller und Anbieter alkoholischer Getränke stehen für verantwortungsvollen Alkoholgenuss. Internationale Konzerne unterstreichen dies durch eigene Kodizes, die nicht nur gegenüber der Politik, sondern auch im Verhältnis zum Handel, der Gastronomie und den Konsumenten wirken.

Eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen hat sich derartigen formellen Prozessen noch nicht unterworfen, was nicht heißt, dass sie sich verantwortungslos verhielten. Sie sind aber unter Umständen leichter angreifbar, da sich nicht über „Krisenreaktionsmittel“ verfügen und häufig nur reagieren statt agieren. Wie schnell breiten sich heute Nachrichten über das Internet aus? Wäre es nicht ratsam, wenn nicht auch mittelständische Unternehmen über ein Compliance-System verfügen? Zunächst besteht die Selbstregulierung nämlich nur aus abstrakten Regeln. Zu nennen ist etwa, dass eine Marketingmaßnahme nur dann zulässig ist, wenn sie zu mindestens 70% Erwachsene anspricht. Was heißt dies aber konkret? Die Maßnahme sollte auf allen Arbeitsebenen mit diesem Grundsatz abgeglichen werden, jede Sonderplatzierung in den Läden und jede Werbebotschaft. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen: Wenn ein Unternehmen ein Event ausrichtet, stellt sich dann nicht die Frage, ob die Veranstaltung nach den Grundsätzen „Don`t drink and drive“ mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist?

Und schließlich hat die Diskussion ja nicht nur eine politische, sondern auch eine gesellschaftliche Dimension. Warum also Empfehlungen für einen verantwortungsvollen Alkoholkonsum nicht auch auf den Webseiten der Anbieter anbieten? Warum nicht den Dialog mit relevanten Multiplikatoren im gesellschaftlichen Raum aufnehmen, um den Kommunikationsprozess sinnvoll zu steuern und zu begleiten?  

Selbstregulierung auch als Chance begreifen! Beispiele gibt es genug, wie sehr die Festlegung nur weniger Unternehmensleitbildern zum Umdenken in ganzen Konzernen geführt hat. 

Selbstregulierung heißt also nicht nur, EU-Vorgaben erfüllen. Vielmehr geht es auch darum, spezifische Rahmenbedingungen im Sinne eines sich weiter entwickelnden Systems der Selbstkontrolle in den Unternehmen selbst zu etablieren. Dies schafft Innovation und Integrität in den Geschäftsbeziehungen und bietet Wettbewerbsvorteile in einem immer stärker umkämpften Markt.

Artikel für Food Monitor

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